Das Schreiben

Gestern fing es an. Gestern habe ich nach gefühlten hundert Jahren mal wieder einen Text geschrieben. Genauer gesagt war es ein Brief und zwar an meinen Bruder.

Ich hatte ihm etwas zu sagen, traute mich aber nicht ihn persönlich darauf anzusprechen, also schrieb ich einen Brief, der erstmal nicht dazu gedacht war, ihn abzuschicken. Noch während ich die ersten zwei, drei Zeilen per Hand auf das Papier geschrieben hatte, überkam mich ein Gefühl, das ich schon kannte. Das Schreiben war mir mit einem Schlag so vertraut. Ich fühlte, wie die erste Erleichterung kam und wie etwas Druck von mir abfiel. Wenn ich schreibe, dann oft, um etwas loszuwerden, um es mir von der Seele zu schreiben. So war es auch gestern. Ich kann mir gar nicht erklären warum ich so lange damit gewartet hatte. Das Schreiben hilft mir am allermeisten meine Gedanken und Gefühle zu sortieren und noch während ich diese Zeilen tippe berühren sie mich so sehr, weil ich spüre wie mir das gefehlt hat. Ich spüre die Momente, in denen es mir durch das Schreiben schon so oft besser ging. Ich denke gerade zurück an die Zeit, in der ich damit angefangen habe.

Ich war ungefähr 17 Jahre alt und hatte mich unsterblich in eine Frau verliebt. Das war das erste Mal, dass ich überhaupt spürte, wie sich Verliebtsein anfühlt. Ich war verwirrt und auch durcheinander. Ich musste mich damit auseinandersetzen mich als Frau in eine Frau verliebt zu haben. Also fing ich an zu schreiben. Schon ein paar Mal hatte ich zu dem Zeitpunkt bereits Briefe geschrieben, an Menschen, die mir wichtig waren oder die in mir irgendwelche Gefühle ausgelöst haben. Aber diese Briefe habe ich nie abgeschickt. Trotzdem half es mir meine Gefühle und Gedanken in diesem jugendlichen Alter, in dem so viel los war, zu sortieren.
Als ich das erste Mal verliebt war, endete diese Geschichte leider nicht gut für mich und ich habe Monate damit verbracht jeden Abend meinen Laptop herauszuholen und für diese Frau zu schreiben. Es war meine Art mit Liebeskummer umzugehen. Es war meine Art damit umzugehen, darauf warten zu müssen, dass die Zeit alles richtet. Heute weiß ich, dass ich durch diese Methode vielleicht ein paar Monate zu lange an dieser Frau festgehalten hatte. Aber was bleibt ist die Liebe zum Schreiben, die Liebe zu dem was es mit mir macht und wie es mir hilft.

Und wenn ich schreibe, wie sehr mich das gerade berührt, dann meine ich damit, dass es mir die Tränen in die Augen treibt. Ich bin überwältigt von der Tatsache, dass ich nach so langer Zeit wieder hier sitze und schreibe. Seitdem mein normaler Bildungsweg von Schule und Ausbildung vorbei ist und ich die letzten Jahre damit verbracht habe einfach nur Arbeiten zu gehen, bin ich in einen orientierungslosen Strudel geraten. Und dieser Strudel endete erst mit meiner ersten Beziehung, die ich im reifen Alter von 25 einging. Genauer gesagt endete dieser Strudel erst mit dem schmerzhaften Ende dieser Beziehung. Nächsten Monat werde ich 27 Jahre alt und hinter mir liegt die bisher dunkelste Zeit meines Lebens. Vielleicht klingt das dramatischer als es ist. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nicht gelogen. Aber mehr möchte ich an dieser Stelle erst einmal noch nicht dazu sagen.

Noch bevor ich anfing diesen Artikel hier, oder Blogbeitrag oder was auch immer es werden soll, zu schreiben fiel mir ein, dass ich vor einiger Zeit mal einen Blog starten wollte. Also eröffnete ich damals auf einer Internetseite einen solchen Blog. Fast vier Jahre sind seitdem vergangen. Vier Jahre in denen auf dieser Seite nichts, rein gar nichts passiert ist. Ich fand bloß einen nie veröffentlichten Blogbeitrag, den ich geschrieben habe, um dieses Ding zu starten. Ich habe ihn heute öffentlich gemacht. Ich musste herzhaft lachen als ich das gelesen habe. Wer war das? Wer hat diesen geschwollenen Mist an Worten zusammengeschustert? Keine Ahnung was mir damals durch den Kopf ging, aber was da steht ist Blödsinn. Da es aber in einer Form auch zu mir gehört, lasse ich es dort als inoffiziellen ersten Beitrag stehen. Und wenn ihr jetzt hoch- und runterscrollt und dieser Beitrag nicht mehr da ist, dann kann das eventuell daran liegen, dass ich mich doch nochmal umentschieden habe.

Hasta la vista und bella ciao

1.11.19 19:31
 


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